Kollegiale Intervision

Warum Kollegiale Intervision? – Ein Blick in unsere Praxis der Schulbegleitung und Familienhilfe

Kollegiale Intervision, auch kollegiale Fallberatung, ist ein strukturiertes Beratungs- und Reflexionsformat unter Fachkräften. Ohne externe Anleitung und dennoch mit einer klaren Ablaufstruktur kommen Mitarbeitende zusammen, um sich gegenseitig zu beraten, Fälle zu reflektieren und gemeinsam professionelles Handeln weiterzuentwickeln.

Damit Intervision gelingt, braucht es bestimmte Voraussetzungen: Vertraulichkeit, Verbindlichkeit, Freiwilligkeit, stabile Gruppenstrukturen, klare Rollen, gut vorbereitete Treffen und einen Rahmen, der Ruhe und Sicherheit ermöglicht. Erst dann kann das Format seine volle Wirkung entfalten – fachlich wie persönlich.

Wann setzen wir Kollegiale Intervision ein?

Als Jugendhilfeträger nutzen wir Kollegiale Intervision gezielt für unsere Mitarbeitenden in der Schulbegleitung und der Familienhilfe. In beiden Bereichen sind Fachkräfte täglich mit emotional aufgeladenen Situationen konfrontiert. Das verlangt nicht nur Wissen und Methodenkompetenz, sondern auch Selbstklärung, empathische Resonanz und die Bereitschaft zur ehrlichen Selbstreflexion.

Kollegiale Intervision ist wie ein Trainingsraum für Haltung – für eine professionelle Beziehungsarbeit, die mutig, authentisch, lernbereit und selbstfürsorglich ist.

Und je früher Lernende diese Haltung entwickeln, desto stärker wachsen persönliche Reife und professionelle Integrität.

Warum lohnt sich Kollegiale Intervision?

1. Persönlichkeitsentwicklung – Mut zur Selbstreflexion als Kompetenzmerkmal

Warum muten wir Fachkräften ein Format zu, das emotional herausfordernd ist und Unsicherheit erzeugen kann? Weil genau darin Entwicklungskraft liegt.

Mitarbeitende in der Kinder- und Jugendhilfe brauchen die Fähigkeit, sich selbst zu reflektieren, emotionale Resonanz wahrzunehmen und sich auch in schwierigen Momenten professionell zu orientieren.

Kollegiale Intervision bietet einen geschützten Raum, um diese Haltung zu üben – immer wieder, und gemeinsam. Dadurch entsteht etwas Entscheidendes: persönliche Reife und professionelle Integrität.

2. Qualitätssicherung durch Reflexionskultur

Was bringt Kollegiale Intervision methodisch?

Kollegiale Intervision wirkt wie ein innerer Qualitätskompass.

Menschen, die regelmäßig reflektieren, entwickeln:

  • eine klarere Haltung,
  • differenzierte Perspektiven,
  • eine sichere Intuition,
  • ein frühes Gespür für Überforderung,
  • und eine tragfähige, methodenübergreifende Erfahrungstiefe.

Das Ergebnis?
Weniger blinde Flecken. Mehr fachliche Verantwortung. Bessere Begleitung von Kindern und Jugendlichen.

Kollegiale Intervision verankert die Haltung:
Ich bin nicht allein verantwortlich, aber ich bin verantwortlich mit anderen.

3. Resilienzförderung durch Verbindung

Auf den ersten Blick mag regelmäßige Kollegiale Intervision wie eine zusätzliche Belastung aussehen. Doch sie ist genau das Gegenteil.

Wenn Fachkräfte über ihre Erlebnisse sprechen können, ohne bewertet, sondern mitfühlend gehört zu werden, entsteht daraus emotionale Entlastung. Mitarbeitende erfahren Solidarität unter Kolleg*innen, ein Erleben von Verbundenheit und das Gefühl Ich darf fühlen – und trotzdem professionell handeln.

Kollegiale Intervision reduziert das Risiko von Burnout, weil sie Räume schafft, die tragen. Räume, in denen Menschen sich zeigen dürfen. Räume, die stärken.

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